Amos

Ich heisse Amos, bin 1991 geboren und homosexuell. Ich absolviere ein Studium an der Universität Zürich im Bereich Deutsch und Geschichte und bin Vorstandsmitglied des Vereins „FLAY“ in Liechtenstein, mit dem wir uns für die Interessen von LGBTI’s engagieren.

Ich habe schon sehr früh gespürt, dass ich anders bin. Allerdings habe ich mir zu Anfang nie eingestanden, schwul zu sein. In der Schule kursierte das Wort „schwul“ als Schimpfwort und deswegen habe ich mir über meine sexuelle Orientierung so wenig Gedanken wie möglich gemacht. So habe ich mich also nicht nur vor anderen, sondern auch vor mir selbst versteckt.

Mein Freundeskreis bestand vorwiegend aus Mädchen. Immer mehr von ihnen hatten dann einen Freund und erzählten von ihren Erfahrungen. Dadurch wurde mir zunehmend bewusst, dass ich ähnliche Gefühle für Jungs habe. Trotzdem dauerte es noch ein paar Jahre, bis ich mich gegenüber den ersten Personen im Freundeskreis und meiner Familie anvertraute. Da wir noch andere homosexuelle Menschen in der Familie haben, wusste ich, dass es keine grosse Sache sein wird. Und trotzdem kam mir der Satz  „Ich bin schwul“ bei niemandem einfach über die Lippen. Also versuchte ich es oft nur durch Andeutungen mitzuteilen. Positive Reaktionen am Anfang machten mich stark und liessen mich auch über weniger gute Reaktionen besser hinwegkommen.

Heute lebe ich meine Sexualität offen und mache sehr viele positive Erfahrungen. Das Leben ist um Vieles leichter geworden, da ich mich nun weder vor mir selbst, noch vor anderen verstecken muss. Dadurch sind auch die Beziehungen innerhalb der Familie und zu Freunden viel stärker geworden.

Und doch gibt es auch heute noch Momente, mit denen ich zu kämpfen habe. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich von einer Freundin erfahren, dass mich manche in dem kleinen Dorf, in dem ich lebe, nur wegen meiner sexuellen Orientierung zu kennen scheinen. Dass ich darauf reduziert werde, war auch dann nochmals eine Hürde für mich. Trotzdem ist mein Leben heute viel unbeschwerter und ich kann auf die Unterstützung meiner Familie und guten Freunden zählen.

Bei du-bist-du engagiere ich mich, um anderen jungen Menschen Mut für ihr Coming-out zu machen und sie dabei zu unterstützen. Für mich ist es das Wichtigste, dass man trotz möglicher Hürden oder Rückschlägen in diesem Prozess irgendwann zu sich selbst sagen kann, dass es der richtige Weg war und das Leben dadurch schöner geworden ist.

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