Benjamin

Ich heisse Benjamin, bin 1993 geboren und homosexuell. Ich habe die Lehre zum kaufmännischen Angestellten abgeschlossen und bin Vorstandsmitglied der Jugendgruppe ComingInn für schwule und bisexuelle Jungs in Bern.

Aufgewachsen bin ich in einem kleinen 1000-Seelen-Dorf am Rande des Kantons Solothurn, in dem mehr Kühe und Hühner als Menschen anzutreffen waren. Momentan lebe ich aber aus Arbeitsgründen in Bern. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass ich nicht ganz wie die Anderen war. Ich wusste nicht, wie ich dieses Gefühl benennen sollte, aber es war mein ständiger Begleiter. Mit den Jahren wurde dieses Gefühl stärker. Ich verbrachte viel Zeit damit, mein Umfeld zu beobachten und ich suchte den „Unterschied“.

Mit 15 Jahren fing in mir das Bedürfnis nach Nähe und Zuneigung an zu wachsen. Fast alle Jungs, die ich kannte, hatten zu dieser Zeit bereits eine Beziehung mit einem Mädchen. Irgendwie konnte ich mir dies aber so in dieser Form nie wirklich vorstellen. Ich spürte, dass es bei mir ein Junge sein würde. Mit dieser Erkenntnis kamen auch plötzlich unglaublich viele Fragen. Ich war überfordert. Ich hatte niemanden, dem ich diese Feststellung anvertrauen konnte. Ich verschlang dutzende Bücher über Psychologie und Sexualität. Schon nach kurzer Zeit konnte ich dieses Bedürfnis nach Nähe mit einem Jungen benennen: Homosexualität. Das reichte mir jedoch nicht. Es fühlte sich zwar in meinem Innern richtig an, trotzdem fragte ich mich, warum ich denn nicht wie die anderen sein konnte. War es richtig, war es falsch, darf ich das oder nicht? Wie reagiert mein Umfeld, meine Freunde, meine Familie? Ich suchte weiter. Ein inneres Chaos verzehrte mich und ich fühlte mich verzweifelt.

Ich unterdrückte alles. Ich wollte mir keine Blösse geben und vor allem nicht „auffallen“. Es dauerte weitere 3 Jahre des inneren Kampfes bis ich mich endlich jemandem anvertrauen konnte. Ich fühlte mich gestärkt und von da an ging es ziemlich schnell. Auf der Arbeit traf ich dann auch einen jungen Mann, der mir von einer Jugendgruppe für schwule und bisexuelle Jungs erzählte. Ich fühlte mich plötzlich so leicht, als ob ich von schweren Ketten befreit worden wäre. Ich genoss es endlich, ohne Maske leben zu können.

Es dauerte weitere 2 Jahre, bis ich mich gegenüber meiner Familie öffnen konnte. Ich hatte Angst, dass ich ihre Illusion von einem „normalen“ Sohn zerstören könnte. Ihre Einstellung dazu war aber unglaublich offen. Ich fühlte mich erneut gestärkt in meinem Weg und in meinem Leben. Mehr noch, die Beziehung zu meiner Familie ist umso besser geworden.

Noch immer habe ich Fragen, auf die ich keine Antworten habe, doch ich bin Stolz auf mich und mein Coming-out. Ich liebe mein Leben, so wie es ist und das ist das Wichtigste.

Ich engagiere mich bei DU BIST DU, weil ich meine eigenen Erfahrungen und Eindrücke anderen Jungs weitergeben möchte.

 

 

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