Clay

Ich heisse Clay, bin in Zürich im Jahr 1987 geboren und bin trans. Ich bin ausgebildeter Diätkoch.

Schon früh merkte ich, dass ich nicht das „Mädchen“ war, für das mich alle hielten.

Ich erinnere mich gut an den Tag, an dem ich meiner Mutter zum ersten Mal erzählte dass „der liebe Gott einen Fehler bei mir gemacht hätte“. So habe ich ihr das damals erzählt, Worte oder Begriffe wie „trans“ oder „Gender-Vielfalt“ waren damals noch kaum bekannt, und so ging mein Umfeld davon aus, dass ich eben „so eine Phase durchlebte“.

Das Gefühl irgendwie anders zu sein, und dieses für mich eindeutige Wissen, dass ich eben keine Frau war, verliessen mich nie. Manchmal trat das Thema ein bisschen in den Hintergrund, schliesslich gab es noch so viel anderes zu entdecken in meinem Leben, aber ganz verlassen wollte es mich nicht.

Mit 17 nahm ich an einem Austauschjahr in den USA teil – ich schmiedete den Plan, ein letztes Mal zu versuchen eine Frau zu sein. Dort würde mich niemand kennen, und vielleicht würde mir das ja dort gelingen.

Nun – es gelang mir nicht! Ich kam zurück in die Schweiz und war mir sicherer denn je, dass ich anders war. Ich begann erneut zu recherchieren und fand dann endlich auch ein Wort dafür: „Transsexualität“.

Ich erklärte mich nun nach und nach meinem Freundeskreis. Grösstenteils hatte ich gute Rückmeldungen. Auf der Arbeit erklärte ich mich erst dem Chef, und zusammen arbeiteten wir dann einen Plan aus, wie ich es dem restlichen Team erklären könnte.

In der Berufsschule stellte ich mich eines Nachmittags vor die Klasse und erklärte ein für alle Mal, warum ich denn eher wie ein Junge als wie ein Mädchen aussah, was mir sogar Applaus einbrachte zu meiner Verwunderung.

Die schwierigsten Coming-outs waren meinem Vater und meiner Grossmutter gegenüber. Es brauchte Zeit, Geduld und auch einiges an Nerven. Es war nicht immer ganz leicht – aber ich würde nichts anders machen. Ich mag es endlich ich sein zu können – nicht weil irgendjemand das von mir erwartet, sondern weil ich einfach genau so bin.

Bei du-bist-du engagiere ich mich, weil jeder Mensch anders ist.

Ich denke jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben mit dem Wissen durchs Leben zu gehen, dass er/sie okay ist, ganz genau so wie er/sie ist.

Schreibe mir doch, wenn du Fragen hast oder ich dich unterstützen kann.