Judith

Ich heisse Judith, bin 1993 geboren, und ich stehe auf Frauen. Ich komme aus Basel – wohne, studiere und arbeite zurzeit aber in Zürich.

Als ich noch in der Primarschule war, verguckte ich mich das erste Mal in ein anderes Mädchen. Ich sah sie bei einer Tanzaufführung von einer Klasse über mir. Auf dem Heimweg erzählte ich meiner älteren Schwester, dass ich mich in dieses Mädchen verliebt habe. Meine Schwester schaute mich entsetzt an und meinte, das könne gar nicht stimmen, denn das würde ja bedeuten, dass ich lesbisch wäre. Ich wusste damals zwar nicht, was „lesbisch“ genau heisst – aber so wie meine Schwester dreinschaute, als sie das sagte, dachte ich mir, dass das nichts ist, was ich sein möchte. Und so verdrängte ich diese Gefühle, bis ich sie beinahe selber vergessen hatte.

Im Gymnasium kamen sie aber wieder hoch. Ich bemerkte, dass ich mich zu Frauen hingezogen fühle. Das verwirrte mich – hatte ich doch zu dem Zeitpunkt auch einen festen Freund. In mir breitete sich das Gefühl aus, dass ich nicht dazugehöre, dass ich anders bin und irgendetwas falsch ist mit mir. Ich wollte es nicht wahrhaben, dass ich auf Frauen stehe und nicht auf Männer, wie all meine Kolleginnen. Es dauerte, bis ich das erste Mal mit jemanden darüber sprach. Meine Schwester war – trotz ihrer kindlichen Skepsis in der Primarschule – begeistert, als ich ihr davon erzählte! Das machte mir Mut. Ich begann, auch mit meinen engsten Freunden über meine sexuelle Orientierung zu reden. Es erstaunte mich, wie egal es ihnen war: Es machte für sie absolut keinen Unterschied, ob ich auf Männer oder auf Frauen oder auf beides stehe! Es war sehr schön, diese Reaktion erleben zu dürfen und zu wissen, dass meine Freunde mich nehmen, wie ich bin – egal, welches Geschlecht ich liebe. Trotzdem blieb in mir eine Angst vor meiner eigenen Sexualität zurück. Ich hatte nun zwar einen ersten Schritt zum Outing gewagt – aber innerlich war ich noch nicht bereit, mich damit zu identifizieren.

Erst als ich wegen des Studiums nach Zürich zog und zwei meiner heute besten Freunde kennen lernen durfte, änderte sich dies. Durch sie bekam ich das erste Mal Einblick in die schwul-lesbische Szene, lernte andere Homosexuelle kennen – vor allem aber sah ich, wie absolut normal es ist, homosexuell zu sein. Ich sah, wie viel Schönheit und Spass das Leben zu bieten hat, wenn man sich akzeptiert. Und ich sah, wie einfach es sein kann, glücklich zu sein. Ganz plötzlich war diese innere Mauer, die ich in mir hatte, gefallen. Ich outete mich bei all meinen Freunden und auch bei meinen Eltern. Und ich bereue nichts.

Ich engagiere mich bei du-bist-du, um andere junge Frauen auf dem Weg zum Coming-out zu unterstützen. Als Teenager hätte ich mich sehr gerne an eine Person mit mehr Erfahrung gewendet, wenn auch nur um ein bisschen über dieses Thema zu plaudern oder um konkrete Fragen oder Ängste anzusprechen – und das möchte ich hier im Rahmen von du-bist-du anbieten.

Schreibe mir doch, wenn du Fragen hast oder ich dich unterstützen kann.