Louis

Ich heisse Louis, habe Jahrgang 1995 und bin trans. Ich wohne im Raum Zürich und bereite mich derzeit auf die Matura vor.

Als Kind war es meinem Umfeld und mir ziemlich egal, wie ich mich kleidete oder verhielt. Niemand stellte Fragen, wenn ich Kleidung aus der Jungenabteilung trug, meine Freizeit auf Bäumen verbrachte, meine Haare kurz haben wollte und Barbie zu meiner Feindin erklärte.

In der Mittelstufe begann ich zu realisieren, dass ich irgendwie nirgends hineinpasste. Die Jungen aus der Klasse mochten mich nicht, weil ich ein „Mädchen“ war und mit den Mädchen wollte ich nicht unbedingt etwas zu tun haben, weil mich mit den meisten von ihnen nichts verband. Zudem begann die Pubertät mit ihren unangenehmen körperlichen Veränderungen. Ich begann, mich in Fantasiewelten zu flüchten, in denen ich immer eine männliche Identität annahm.

In der Sekundarschule hatten wir etwa zum dritten Mal Aufklärungsunterricht, und dieses Mal kamen einige Fachpersonen, die uns, in Jungen und Mädchen aufgeteilt, über unser jeweiliges Geschlecht informierten. Ich musste natürlich zu den Mädchen und über typische „Mädchenthemen“ reden, obwohl ich viel lieber bei den Jungs dabei gewesen wäre. Diese Lektion war aus verschiedenen Gründen ziemlich prägend und traumatisch für mich. Meine Reaktion darauf war, mich anzupassen, mir Mädchenkleider zu kaufen, mich zu schminken und mein bestes zu tun, ein Mädchen zu sein und nicht aufzufallen.

Die nächsten paar Jahre waren wie hinter einer Milchglasscheibe. Ich fand zwar an der Fachmittelschule eine Gruppe guter Freundinnen, fühlte mich aber immer fremd und konnte nicht genau benennen, weshalb. Erst als einmal ein fieser Spruch über einen Transmann fiel und ich mich davon verletzt fühlte, wurde ich wieder auf das Thema Geschlechtsidentität aufmerksam. Ich durchsuchte das Internet nach Begriffen, die meine Gefühlslage beschrieben und gleichzeitig nach Gründen, weshalb ich nicht trans sein könne. Jede dieser Ausreden wurde früher oder später widerlegt.

Irgendwann stiess ich auf den Begriff Gender Dysphorie. Und irgendwann stiess ich auf die Geschichte eines Transmannes, die meiner eigenen ganz ähnlich war. Endlich hatte ich nicht mehr das Gefühl, alleine zu sein. Ich outete mich erst bei meinem besten Freund, dann bei meiner Mutter. Als ich nicht vorwärts kam mit meinem Coming Out, fand ich Du Bist Du und schrieb selbst einen der Trans*Berater an. Danach ging alles ganz schnell: ich knüpfte Kontakte mit anderen Jugendlichen, die auch trans sind, fand eine gute Therapeutin, outete mich mit Hilfe des Schulleiters in der Schule und konnte schliesslich im Herbst mit der Hormontherapie beginnen.

Ich engagiere mich bei du-bist-du, weil mir die Beratung damals sehr geholfen hat und auch ich anderen auf diesem Weg helfen möchte. Für mich war es der erste persönliche Kontakt mit einem anderen Transmann. Mit jemandem zu sprechen, der ganz ähnliche Erlebnisse hat wie ich selbst, hat mir den Mut gegeben, es zu wagen und so zu leben, wie ich das möchte: als Mann.

 

 

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