Sven

Ich heisse Sven, bin 1994 geboren und schwul. Ich wohne in Zürich und arbeite dort als Backoffice-Mitarbeiter für eine Bank.

Etwa im Alter von 14 wurde mir mehr und mehr klar, dass mein Freundeskreis hauptsächlich aus Mädchen bestand, Jungs mich aber auf eine ganz andere Weise faszinierten. Ein komisches Wechselspiel aus Nähe und Distanz stellte sich ein. Einerseits wollte ich meinen männlichen Freunden nahe sein, Zeit mit ihnen verbringen, bei ihnen als ‚cool‘ durchgehen und von ihnen akzeptiert werden, andererseits war ich sehr darauf bedacht diese Haltung nicht auszureizen, so dass der Eindruck entstehen könnte, dass ich mich ‚zu sehr‘ für Jungs interessiere.

Es vergingen ungefähr zwei Jahre in denen ich mich mit mir selbst auseinandergesetzt habe und für mich Stück für Stück klarer wurde, dass ich homosexuell bin. Glücklicherweise durfte ich in einem Familienumfeld aufwachsen, in dem mir und meinen Geschwistern — besonders durch unsere Eltern — immer wieder klargemacht wurde, dass nichts ‚verkehrt‘ daran ist, wenn mein Bruder und ich einen Freund statt einer Freundin oder meine Schwester ein Mädchen mit nach Hause bringen würden. Dadurch fiel es mir nochmals viel leichter zu akzeptieren, dass ich eines Tages tatsächlich einen Mann und nicht eine Frau an meiner Seite haben werde. Trotzdem wählte ich den Moment meines Coming-outs ganz bewusst und wartete damit bis nach meinem Lehrabschluss.

In jenem Sommer öffnete ich mich dann zuerst gegenüber meiner besten Freundin. Ihre durchwegs positive Reaktion führte dazu, dass ich nach wenigen Tagen denselben Schritt bei meiner Mutter wagte. Auch sie unterstützte mich uneingeschränkt, was mir ein bestärkendes Hochgefühl verlieh. Innerhalb weniger Wochen outete ich mich bei meinem gesamten sozialen Umfeld, damit dieses Versteckspiel endlich ein Ende fand. Die häufigste Reaktion, die ich zu hören bekam, war dann: „Ah, ja das hab’ ich mir schon lange gedacht.“

Ich bereue keine einzige Entscheidung, die ich während meines Coming-out-Prozesses getroffen habe und schätze es sehr, dass ich von verschiedenen Seiten unterstützt wurde. Mir ist bewusst, dass der Weg für andere junge Männer schwieriger sein kann. Mit den positiven Erfahrungen, die ich machen durfte, möchte ich andere Jungs ermutigen, ihnen zur Seite stehen und sie unterstützen.

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