Coming-out in der Schule & am Arbeitsplatz

Wir verbringen sehr viel Zeit in der Schule oder am Arbeitsplatz und dazu noch mit den unterschiedlichsten Menschen. Einige sind uns sehr nahe, sie gehören sozusagen zu unserem engeren Umfeld und wir verbringen mit ihnen auch unsere Freizeit. Mit anderen stehen wir eigentlich kaum in Kontakt. Es treffen also verschiedenste Menschen aufeinander, die vielleicht sonst gar nichts miteinander zu tun haben würden. Die unterschiedlichen Kulturen, Nationalitäten und auch Religionen beeinflussen die Einstellung einer einzelnen Person genau so wie persönliche Erlebnisse oder erzählte Erlebnisse von Mitmenschen.

Verschiedenste Weltansichten und Einstellungen treffen also aufeinander. Es gibt immer wieder solche, die ein Anderssein von jemandem nicht akzeptieren wollen, egal ob es um eine andere Nationalität, Religion, sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität geht. Das kann leider dazu führen, dass Menschen durch andere diskriminiert und benachteiligt werden.

Coming-out ja oder nein?

Ob du dich in deiner Klasse oder an deinem Arbeitsplatz outen sollst, können wir nicht mit einer Standart-Aussage beantworten. Viele Faktoren müssen dabei berücksichtigt werden. Es gilt aber, wenn du dir unsicher bist oder dich vor negativen Reaktionen fürchtest, dann warte lieber erstmal damit ab. Der erste Schritt könnte sein, in dem du dich gegenüber einem/einer gute_n Freund_in oder einem/einer engeren Arbeitskolleg_in öffnest. Diese Person kann dich bei deinen weiteren Schritten unterstützen.

Die Schule, nicht immer ein einfacher Ort

Wir wissen, dass vor allem die Schule ein Ort ist, an dem es für lesbische, schwule, bi oder trans* Menschen, aber auch für solche, die sich ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität noch nicht sicher sind, nicht immer ganz einfach ist sich selbst sein zu können. Vor allem gerade in der Schulzeit ist Diskriminierung unter Jugendlichen sehr stark verbreitet und gehört leider oft zum „cool“ sein dazu. Jeder junge Mensch ist in der Pubertät mit sich selbst beschäftigt und mit den verschiedensten Herausforderungen konfrontiert. Hormonelle und körperliche Veränderungen erschweren den Prozess und beeinflussen die eigenen Emotionen. Unsicherheiten werden überdeckt, in dem man sich auf andere konzentriert und durch negative Aussagen und Handlungen davon ablenkt, sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Wir jungen schwulen, lesbischen, bisexuellen und trans* Menschen können dann oft zur Zielscheibe von solchen Aussagen und Handlungen werden. Das macht das Ganze für uns noch schwerer, müssen wir uns ja eh schon damit abfinden, dass der grösste Teil der Gesellschaft eine heteronormative Haltung vertritt.

Obwohl wir natürlich für Akzeptanz kämpfen, hört unsere Akzeptanz auf, wenn Menschen psychisch und physisch verletzt oder benachteiligt werden. Wir akzeptieren keine Einstellung oder Ansicht, wenn sie anderen Menschen Schaden zufügt. Auch du solltest es nicht akzeptieren, wenn andere gegenüber dir oder hinter deinem Rücken negative Äusserungen machen, du ausgeschlossen oder benachteiligt wirst oder sogar körperliche Gewalt erfährst. Niemand darf das!

Recht auf Unterstützung

Falls dir ein solches Unrecht widerfahren ist, hast du das Recht, Unterstützung zu bekommen und dass verantwortliche Personen dafür sorgen, dass dies sofort gestoppt wird. In der Schule kann dies zum Beispiel die Schulsozialarbeit oder eine Lehrperson sein. Auch an einem Arbeitsplatz gibt es Stellen, die dafür verantwortlich sind. In der Lehre kann zum Beispiel das Lehrlingsamt kontaktiert werden.

Falls du dir nicht sicher bist, an wen du dich wenden sollst, nimm mit uns Kontakt auf. Zusammen können wir herausfinden, wer die richtige Ansprechperson ist. Es spielt dabei nämlich nicht nur die Position dieser Person eine Rolle sondern auch, dass du zu ihr Vertrauen hast.