Lexikon

Wenn du dich mit den Themen Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Trans* vertiefter auseinandersetzt, wirst du vielen neuen Begriffen begegnen. Wir haben darum für dich die wichtigsten in verständlicher und kurzer Form zusammengefasst.

Bist du auf einen unklaren Begriff gestossen, den du hier nicht finden kannst? Schreib uns eine Mail und wir helfen dir weiter.

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Asexualität

  Asexuelle Menschen fühlen sich von anderen Menschen nicht sexuell angezogen, oder sie haben kein Verlangen danach, mit anderen Menschen Sex zu haben. Viele Asexuelle verlieben sich aber trotzdem. Die meisten wünschen sich auch eine Partnerschaft, nur eben ohne Sex. Beim Verlieben kommen ähnliche Orientierungen vor wie in der Sexualität. Manche Asexuelle mögen nur Frauen oder nur Männer, manchen ist es egal, und manche sind nie verliebt. Wenn du noch mehr darüber wissen möchtest, können wir dir folgende Website empfehlen: http://www.asexuality.org/de/

Biphobie

Ablehnende Einstellung und/oder Verhalten gegenüber bisexuellen Menschen. Sie kann sich in verschiedenen Formen zeigen, wie zum Beispiel: Beleidigungen, Ausgrenzung, Witze machen, Diskriminierung oder sogar körperliche Gewalt.

Bisexualität

Ein bisexueller Mensch fühlt sich von beiden Geschlechtern angezogen. Es gibt verschiedenste Formen der Bisexualität. Dies kann von nur sexuellen Kontakten bis hin zu Gefühlen reichen.

Cis-Menschen

Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, übereinstimmt − also die meisten Menschen (cis = nicht trans*).

Coming-out

Auf Deutsch übersetzt heisst Coming-out „herauskommen“. Es umfasst den langen Weg von der ersten Ahnung, zum Wissen, hin zur Akzeptanz der eigenen Homo-, Bisexualität oder des Trans*-seins, bis zur Information des Umfelds, der Familie, Freund_innen sowie Kolleg_innen in der Schule oder am Arbeitsplatz. Mehr dazu findest du unter Coming-out.

Coming-out Day

Seit 1988 wird jeweils am 11. Oktober der Coming-out Day gefeiert. In vielen Ländern werden verschiedene kleinere Aktionen veranstaltet. Ziel ist es, Personen die sich im Coming-out Prozess befinden Mut zu vermitteln, zu sich selbst zu stehen und sich zu akzeptieren. Auch soll an diesem Tag der heteronormativen Gesellschaft dieses Thema näher gebracht werden.

CSD / Pride

Der Christopher Street Day (CSD), auch Pride Parade genannt, ist ein Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag von LGBT Menschen. Auf der ganzen Welt finden dazu friedliche und sehr bunte Umzüge und Festivals statt, an denen für die Rechte und gegen die Diskriminierung demonstriert wird. Der Ursprung führt auf den 28. Juni 1969 zurück. An diesem Tag fand an der Christopher Street in New York in der Bar Stonewall Inn eine Razzia durch die Polizei statt. Es folgten tagelange Strassenschlachten zwischen sexuellen Minderheiten (Homosexuelle, Trans* etc.) und der Polizei.
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Drag-Queen / Drag-King

Früher vor allem Bühnenkünstler_innen, die mit der Übertreibung von weiblichen und männlichen Stereotypen spielten, umfasst heute verschiedene Varianten von Bühne bis Alltag, sich teilweise auf humoristische weise männlich/weiblich zu stylen. Drag bedeutet ursprünglich: dressed as a girl (Drag-Queen) oder dressed as a guy (Drag-King).

Fremdouting

Wenn eine andere Person weitererzählt, dass jemand z. B. lesbisch, schwul, bi oder trans* ist.

Genderqueer

Eine Bezeichnung für alle Menschen, die keine klare männliche oder weibliche Geschlechtsidentität besitzen. Es bestehen verschiedenste Formen wie zum Beispiel:
  • beide Geschlechter (Mann und Frau)
  • weder Mann noch Frau (neutral)
  • Zwischen den Geschlechtern wechseln (fliessend)

Geschlechtsidentität

Innere Gewissheit, welches Geschlecht man selbst hat. Die Geschlechtsidentität entscheidet, ob eine Person eine Frau oder ein Mann ist, beide, fliessende, mehrere oder andere Geschlechter oder gar kein Geschlecht hat.

Heterosexualität

Heterosexuelle Menschen fühlen sich von Menschen des anderen Geschlechts angezogen.

HIV/AIDS

Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome/Erworbenes Immunschwächesyndrom) ist die Spätfolge einer Infektion mit dem HI-Virus (Human Immunodeficiency Virus, HIV/ Menschliches Immunschwäche-Virus). Bei einer Immunschwäche ist die Abwehrfähigkeit des Körpers gegenüber Krankheitserregern vermindert. Eine fortgeschrittene Immunschwäche kann zu verschiedenen schweren Erkrankungen und später zum Tod führen. Die HIV-Infektion ist nicht heilbar. Wenn es zu einer Ansteckung gekommen ist, sind regelmässige ärztliche Kontrollen wichtig, um den richtigen Zeitpunkt für den Start der Behandlung nicht zu verpassen. HIV wird mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Diese müssen täglich, konsequent und das ganze Leben lang eingenommen werden.

Homophobie

Ablehnende Einstellung und/oder Verhalten gegenüber homosexuellen Menschen. Sie kann sich in verschiedenen Formen zeigen, wie zum Beispiel: Beleidigungen, Ausgrenzung, Witze machen, Diskriminierung oder sogar körperliche Gewalt.

Homosexualität

Homosexualität ist ein Überbegriff für Menschen, die sich zu Menschen des gleichen Geschlechts hingezogen fühlen. Dabei geht es um mehr als einfach mit dem gleichen Geschlecht Sex zu haben. Ein Mann, der sich zu Männern hingezogen fühlt bezeichnet man als schwul, eine Frau, die sich zu anderen Frauen hingezogen fühlt als lesbisch. Man geht davon aus, dass 5-10% der Bevölkerung homo- oder bisexuell sind.
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IDAHOT

Jeweils am 17. Mai wird seit 2005 der Internationale Tag gegen Homophobie und Transphobie (engl: International Day Against Homophobia and Transphobia, IDAHOT) begangen. Der Tag wurde zur Erinnerung an den 17. Mai 1990 gewählt, an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten gestrichen hat. Verschiedenste Aktionen weltweit fordern an diesem Tag Respekt für schwule, lesbische, bisexuelle und trans* Menschen und weisen auf die noch immer vorhandene Diskriminierung sowie die Bestrafung dieser Menschen in verschiedenen Ländern hin.

Inter*/Intersexualität

Wenn ein Mensch genetisch (aufgrund seiner Geschlechtschromosomen) und/oder anatomisch (aufgrund seiner Geschlechtsorgane) und/oder hormonell (aufgrund des Mengenverhältnisses der Geschlechtshormone) nicht eindeutig den Normen, die für das weibliche oder männliche Geschlecht festgelegt wurden, entspricht.

Lesbisch

Eine homosexuelle Frau wird als lesbisch bezeichnet.

LGBT

Ist eine aus dem englischen Sprachraum kommende Abkürzung, die für Lesbian, Gay, Bisexual und Trans* steht. Oft werden auch die Buchstaben I, Q und A hinzugefügt. Diese stehen für Inter*, Queer oder Questioning (unsicher) und Asexual.

Metrosexualität

Heterosexuelle Männer, die sehr bewusst auf ihren Körper (Pflege und Hygiene) achten und sich modebewusst kleiden.

Outen/Outing

Anderen Personen mitteilen, dass man lesbisch, schwul, bi, trans* etc. ist.

Pansexualität

Ein Pansexueller Mensch kümmert sich nicht um Geschlechtergrenzen. Es spielt für ihn keine Rolle, ob eine Person männlich, weiblich, inter* oder trans* ist.

PEP

Eine PEP (Postexpositionsprophylaxe) sind Medikamente, die HIV daran hindern, sich im Körper festzusetzen. Dazu werden für vier Wochen HIV-Medikamente eingenommen. Eine HIV-Infektion kann dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert werden. Diese Medikamente müssen von einem Arzt oder einer Ärztin verschrieben werden und werden von der Krankenkasse übernommen. Wichtig: Am Besten sollte eine PEP so schnell wie möglich nach dem HIV-Risiko, aber spätestens innerhalb von 48 Stunden begonnen werden. Für eine Abklärung empfehlen wir einen Checkpoint oder die Notfallstation eines Spitals aufzusuchen.

Pink

Die Farbe Pink (auf Deutsch: Rosa) hat für die Schwulenbewegung eine spezielle Bedeutung. Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurden in Deutschland alle homosexuellen KZ-Häftlinge mit einem Rosa Winkel gekennzeichnet. Nach dem Fall des Nazi Regimes wurde das Symbol zum Gedenken an die Opfer und als Symbol für die LGBT-Bewegung verwendet.
Einträge von Q-S (7)

Queer

Das Wort queer stammt aus dem englischen und wird häufig für Dinge verwendet, die von der Norm abweichen. Im englischen Sprachraum wurde es als Schimpfwort gegen Menschen verwendet, die von sexuellen und geschlechtlichen Normen abwichen. In der jüngeren Vergangenheit, fand das Wort in der LGBT-Bewegung eine neue positive Verwendung und wird als Bezeichnung für alle sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten verwendet, die nicht der gesellschaftlichen Norm von Geschlecht und Sexualität zuzuordnen sind.

Regenbogenfahne

Die Regenbogenfahne ist seit Ender der 90er Jahre ein internationales Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung, bildet die Vielfältigkeit der Community ab und steht für Akzeptanz. 1969 tauchte die Regenbogenfahne beim Begräbnis von Judy Garland auf. Sie selbst hat versteckt lesbisch gelebt und war in homosexuellen Kreisen sehr beliebt. Die Regenbogenfahne tauchte im Zusammenhang mit ihrem bekannten Lied „Over the Rainbow“ aus dem Zauberer von Oz auf. Es ist unklar, ob die Regenbogenfahne daraus hervorging, jedoch wird angenommen, dass Gilbert Baker sich davon inspirieren liess. Die erste Regenbogenfahne wurde 1978 von dem Künstler Gilbert Baker in San Francisco hergestellt, nachdem er den Drang der Homosexuellenbewegung nach einem einheitlichen Symbol vernommen hatte. Baker hat die Regenbogenfahne selbst entworfen, gefärbt und zusammengenäht. Diese erste Regenbogenfahne enthielt noch acht Farben.   Baker ging mit dieser Flagge zu einer Flaggenfabrik und wollte sie in Massenproduktion geben. Das Problem war nur, dass er die Farben selbst gemischt hatte und sein Pink nicht hergestellt werden konnte. Somit viel das Pink weg und die Fahne hatte noch sieben Farben. Im November 1978 wurde Harvey Milk, der erste offen Schwul lebende Stadtrat von San Francisco, von einem Schwulenhasser ermordet. Es wurde von der LGBT Gesellschaft ein Trauer- und Protestmarsch für ihn organisiert. Dabei sollte die Regenbogenfahne zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Es sollten auf beiden Seiten der Strasse jeweils drei Farben aufgehängt werden. Somit war die siebte Farbe überflüssig und das Türkis viel weg. Seit dem hat die Regenbogenfahne sechs Farben und ist auf der ganzen Welt bekannt. Die heutige Fahne präsentiert sich folgendermassen:
  • Rot = steht für das Leben und die Liebe
  • Orange = für die Gesundheit und das Heilen
  • Gelb = für die Sonne und das Licht
  • Grün = für den Einklang mit der Natur und die Ökologie
  • Blau = für die Kunst und Kreativität
  • Violett = für den Geist und das Denken
Wichtig zu wissen ist, dass Regenbogenfahne nicht gleich Regenbogenfahne ist. Die Regenbogenfahne welche für die Homosexuellenbewegung steht zeichnet sich dadurch aus, dass die Farbe Rot oben steht und die Farbe Violett ganz unten. Die Regenbogenfahne der Friedensbewegung trägt die Farbe Violett oben und hat zusätzlich noch einen weiteren Farbstreifen in Hellblau.

Regenbogenfamilie

Regenbogenfamilien sind Familien, in denen sich mindestens ein Elternteil als lesbisch, schwul, bisexuell oder trans* versteht. Ihre Kinder können aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen stammen oder in eine lesbische oder schwule Beziehung hineingeboren, adoptiert oder als Pflegekinder aufgenommen worden sein.

Rosa Winkel

Der Rosa Winkel gilt als Symbol zur Stigmatisierung von Männern, die während der nationalsozialistischen Zeit als homosexuelle Straftäter inhaftiert wurden. Das Winkelsystem wurde 1937 in allen Konzentrationslagern eingeführt und hat Häftlinge nach Einweisungsgrund kenntlich gemacht. Der Rosa Winkel war ein ca. 5cm grosses Dreieck, welches auf die Spitze gestellt wurde. Es musste von den Häftlingen auf der linken Brustseite der Jacke und auf der rechten Seite des Hosenbeins getragen werden. Unterhalb des Winkels stand die Häftlingsnummer. Es ist unklar, weshalb die Nazis die Farbe rosa für die Kennzeichnung homosexueller Häftlinge wählten. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Zuweisung der Farbe blau zu männlich und rosa zu weiblich genau entgegengesetzt. 1935 erhöhten die Nationalsozialisten die Höchststrafe für homosexuelle Handlungen auf bis zu 10 Jahre Zuchthaus. Im Dritten Reich wurden zwischen 10‘000 – 15‘000 homosexuelle Männer in Konzentrationslager inhaftiert. Eine systematische Verfolgung lesbischer Frauen fand nicht statt, da der Paragraph 175 nur Männer einschloss. Dies unter anderem aus ideologischen Gründen, da die weibliche Homosexualität aufgrund der marginalen Stellung der Frau im Dritten Reich als unbedeutend angesehen wurde. Als in den 50er Jahren das Bundesentschädigungsgesetz verkündet wurde, anerkannte man die Verfolgung aufgrund von Homosexualität nicht als typisches NS-Unrecht. So wurde die erste Gedenktafel erst 1984 im ehemaligen KZ Mauthausen zugelassen. Das berühmte Denkmal in Berlin eröffnete man im Jahre 2008. In den 1970er Jahren wurde der Rosa Winkel von homosexuellen Bürgerrechtsbewegungen in Westeuropa und den USA wieder aufgegriffen als Zeichen der Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes. Er wurde jedoch auch verwendet um auf die fortdauernde Diskriminierung und Ausgrenzung von Lesben und Schwulen aufmerksam zu machen. Das einstige Zeichen der Stigmatisierung wurde zum Sinnbild eines neu gewonnenen politischen Selbstbewusstseins.

Schwul

Ein homosexueller Mann wird als schwul bezeichnet.

Sexuelle Orientierung

Bei der sexuellen Orientierung geht es darum, zu welchem Geschlecht du dich hingezogen fühlst. Bist du ein Junge und verliebst dich in Jungs, dann könnte deine sexuelle Orientierung homosexuell sein. Bist du ein Mädchen und verliebst dich in Jungs, dann würde man von heterosexuell sprechen.

STI

Sexuell übertragbare Infektionen (engl. Sexually Transmitted Infections), die unter anderem durch Viren oder Bakterien verursacht werden. Zum Beispiel HIV, Syphilis, Chlamydien, Tripper. Mehr Infos zu diesen Infektionen findest du auf der Website von Dr. Gay.
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Trans*

Ist eine Sammelbezeichnung, die versucht, alle Menschen zu bezeichnen, die eine andere Geschlechtsidentität besitzen, ausleben oder darstellen, als die, die ihnen quasi per Geburt von Seiten der Gesellschaft zugeteilt wurde.

Transfrau

Frau, die bei ihrer Geburt aufgrund des Körpers als Junge eingeordnet wurde.

Transition

Prozess der sozialen, juristischen und/oder medizinischen Angleichung.

Transmann

Mann, der bei seiner Geburt aufgrund des Körpers als Mädchen eingeordnet wurde.

Transmensch/Transperson

Person, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.

Transphobie

Ablehnende Einstellung und/oder Verhalten gegenüber Transpersonen und geschlechtlich uneindeutig auftretenden Menschen. Sie kann sich in verschiedenen Formen zeigen, wie zum Beispiel: Beleidigungen, Ausgrenzung, Witze machen, Diskriminierung oder sogar körperliche Gewalt.

Transsexualität/Transsexualismus

Medizinischer Begriff für Transmenschen, der veraltet ist und z. B. noch beinhaltet, dass die Person auf jeden Fall angleichende medizinische Massnahmen wünscht.

Transvestitismus

Sich nach einem andern Geschlecht kleiden oder stylen.

Zwangsouting

Wenn ein Mensch gezwungen ist, jemandem zu sagen, dass er z. B. lesbisch, schwul, bi oder trans* ist. Bei Transmenschen z. B. durch noch nicht geänderte Dokumente oder das Aussehen.